Wir weiten unsere Projekte für negative Emissionen in Afrika aus. In Ghana produziert atmosfair Pflanzenkohle mit innovativen Pyrolyseanlagen, womit wir CO₂ aus der Atmosphäre ziehen und langfristig im Boden binden. Damit verhelfen wir der Landwirtschaft zu besseren Ernten in einer Region, deren Felder unter Erosion und Nährstoffmangel leiden.

Northern Region, Ghana, Februar 2025. Im Norden des afrikanischen Landes baut atmosfair jetzt kleine Pyrolyseanlagen, mit denen sich Pflanzenkohle wesentlich effizienter herstellen lässt als mit traditionellen Erdmeilern – also einfachen Gruben, in denen Pflanzenmaterial verkohlt. Gemeinsam mit seinem Projektpartner Carboneers treibt atmosfair die Entwicklung von Stahlhauben voran, welche über die Pyrolysegruben gesetzt werden. Seit Monaten testet atmosfair diese Hauben vor Ort und verbessert dabei ihr Design. Mit dieser Technologie werten wir Erdmeiler zu Kleinpyrolyseanlagen auf. Nun werden wir 300 Dörfer mit diesen Kleinpyrolyseanlagen ausstatten, wo Bäuerinnen Erntereste aus dem Mais- und Maniokanbau in Pflanzenkohle verwandeln. Auf diese Weise wird atmosfair jährlich 13.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre entfernen, was dem Ausstoß von 8.000 Interkontinentalflügen entspricht.

Bäuerinnen im Norden Ghanas sammeln Maniok-Stängel und verwandeln sie mit unseren Kleinpyrolyseanlagen in Pflanzenkohle.

Pflanzenkohle verbessert ausgelaugte Böden

Die Bäuerinnen nutzen die Kohle als Dünger, oft zusätzlich mit Dung oder Kompost gemischt. atmosfair Projektmanagerin Isabel Messori erklärt, wie wichtig das für die Menschen in der Region ist: „Die Bäuerinnen im Norden Ghanas können diesen Dünger besonders gut gebrauchen. Die Böden dort sind stark ausgelaugt, es fehlt ihnen vor allem an Nährstoffen wie Stickstoff und Kohlenstoff. Außerdem halten sie Wasser nur schlecht. Landwirte können Dünger aus Pflanzenkohle als einen vielseitigen Bodenverbesserer einsetzen, der die Fruchtbarkeit der Felder erhöht. Zudem tun sie etwas für den Klimaschutz!“ Pflanzenkohle bindet die nötigen Nährstoffe im Boden, sodass sie nicht weggespült werden. So trägt das Projekt zum wichtigen Entwicklungsziel der Ernährungssicherung bei.

Unsere neu eingesetzte Technologie macht die Arbeit an den Anlagen selbst sicherer. Daps Abimbola von unserer lokalen Partnerorganisation Beyond Carbon erklärt, wie das funktioniert: „Die Metallhaube schützt die Menschen an den Anlagen, während darunter die Pyrolyse läuft. Sie verhindert, dass die Personen giftigen Rauch einatmen, wie das bei den bisherigen Erdmeilern der Fall ist. Außerdem besteht bei den neuartigen Pyrolyseanlagen keine Gefahr durch offenes Feuer.“ Traditionelle Erdmeiler erzeugen in Ghana bisher nur Holzkohle als Brennstoff. Unser Konzept von negativen Emissionen aus Ernteresten hingegen ist neu. Diese stammen von 15 bis 20 Bäuerinnen, die jeweils Kleinpyrolyseanlage nutzen. Für die Produktion einer Anlagenfüllung Pflanzenkohle erhalten die Landwirtinnen von uns 50 Euro, ein Viertel des monatlichen Pro-Kopf-Einkommen des Landes. Dadurch werden die Frauen finanziell unabhängiger. Zusätzlich schaffen wir Arbeitsplätze für Manager in den einzelnen Dörfern sowie im Außendienst und in der Koordination.

Wenn die Erntereste auf 700 Grad erhitzt werden, entweichen Gase aus dem Material – und zurück bleibt reiner Kohlenstoff. Dieser lässt sich als Dünger verwenden.

Weiterentwicklung mit Dorf- und Regierungsvertretern

Als Kohlenstoff-Register nutzt atmosfair die Carbon Standards International AG (CSI), welche unsere negativen Emissionen als “Global Artisan C-Sink”-Projekt erfasst. Damit sich die CO₂-Gutschriften gemäß den neuen UN-Regeln nutzen lassen, wird atmosfair demnächst Gespräche mit Vertretern der ghanaischen Regierung führen. Wir streben dabei eine Vereinbarung an, die das Klimaschutzziel Ghanas verschärft. Auch mit Vertretern aller beteiligten Dörfer und lokaler NGOs wird sich atmosfair Managerin Messori treffen, um unser Pflanzenkohle-Projekt vorzustellen. Bei diesen Stakeholder-Befragungen haben die Menschen Gelegenheit, ihre Fragen zu stellen und gegebenenfalls Bedenken an diesem Projekt zu äußern. Darüber hinaus werden wir in Zukunft die Ausstattung der Pyrolyseanlagen weiterentwickeln. Elektronische Sensoren für Temperatur und Sauerstoffgehalt sollen dafür sorgen, dass die Bäuerinnen den Prozess noch besser kontrollieren können.

Den Böden im Norden Ghanas mangelt es an Stickstoff und Kohlenstoff, und sie können schlecht Wasser speichern. Mit Dung oder Kompost vermischte Pflanzenkohle verbessert sie deutlich – und die Erträge der Landwirtschaft steigen.

Nutzung von Abfallstoffen für den Klimaschutz

Beim Pyrolyseverfahren wird Holz, aber auch Stroh unter weitgehendem Ausschluss von Sauerstoff so stark erhitzt, dass brennbare Gase entweichen. Da die Kamine unserer Stahlhauben die Sauerstoffzufuhr stark drosseln, verbrennen die Pflanzenreste nicht, so dass nach der Pyrolyse reine Kohle übrigbleibt. Unsere Hauben haben den Vorteil, dass sie die Temperaturen im Inneren konstant auf hohem Niveau halten, ungefähr auf 700 Grad Celsius. Traditionelle Erdmeiler erreichen dies wegen Wind und Temperaturschwankungen oft nicht, weshalb die Pyrolyse unvollständig bleibt und die Kohle eine schlechtere Qualität hat. Außerdem besteht bei Erdmeilern das Risiko, dass das Treibhausgas Methan entweicht, was unsere Metallhauben verhindern.

Als Dünger auf den Feldern ausgetragen, verbleibt der Kohlenstoff Jahrhunderte lang im Boden. So erzielen wir negative Emissionen, weil Mais und Maniok, von denen die Reste stammen, während ihres Wachstums Kohlendioxid aus der Luft entnehmen. Bisher verrotten die ungenutzten Reststoffe und setzen den vorher gebundenen Kohlenstoff zum großen Teil als CO₂ wieder frei.

atmosfair entwickelt Klimaschutztechnologien in der eigenen Werkstatt in Berlin weiter.